Modelle

4-K Regel

Mobiles Lernen – Auf dem Weg ins 21. Jahrhundert

Die Stadt Los Angeles plante zunächst eine halbe Million Tablets für die 640.000 Schüler/-innen in ihrem Distrikt anzuschaffen. Im Sommer 2014 brandeten die Wogen der Online-Berichterstattung kurz hoch, als die Verantwortlichen verkündeten, dass nicht wie zunächst angekündigt, eine flächendeckende Versorgung mit iPads der Firma Apple umgesetzt werden soll, sondern Schulen aus Modelltypen verschiedener Hersteller wählen können[1]. Darunter befinden sich neben Tablets auch Chromebooks oder Laptops.

Dieses Beispiel bildet prototypisch ab, in welcher Situation sich die Diskussion um das mobile Lernen in der Schule (das Szenario ist übertragbar auf andere Bildungssektoren wie die Erwachsenenbildung) derzeit befindet. In den Medien und damit im öffentlichen Bewusstsein ist angekommen, dass den mobilen Geräten das Attribut des Fortschritts anhaftet. Gleichzeitig sind die Geräte so klein und erschwinglich, dass Träger die Möglichkeit von Eins-zu-Eins-Ausstattungen erwägen. Wenn nicht alle Lernende mit einem persönlichen Gerät versorgt arbeiten können, so doch zumindest kleine Gruppen. Prinzipiell ist zu begrüßen, dass das Thema „Lernen mit Medien“ in der Presse aufgegriffen wird. Wesentlich ist dabei jedoch der multiperspektivische Blick. Neben den Kopfzahlen, den Gesamtinvestitionen und der Risikobewertung durch Jugendschützer kommt der mediendidaktischen Dimension zu wenig Beachtung zu. Die Begründungen für die Relevanz von mobilem Lernen sind im Wesentlichen didaktischer Natur. Die verwendeten mobilen Endgeräte sind Werkzeuge und „Umsetzungshilfen“ für selbst gesetzte Ziele. Deshalb ist die Diskussion um Stückzahlen, Herstellernamen und Investitionen für die Medienpädagogik von sekundärer Relevanz.

Die 4 K-Regel für moderne Lehre

Im Englischen lässt sich ein Kampf zweier Bildungsverständnisse zu Beginn des 21. Jahrhunderts zusammenfassen mit der Umschreibung „Where the 3 R‘s meet the 4 C‘s“[2]. Im traditionellen Modell sollten die drei Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen (3 R’s: reading, writing, and arithmetic) den Lernsubjekten des Industriezeitalters die nötigen Fertigkeiten und Kompetenzen geben, dieses zur Blüte zu führen. Hierfür wurde ein Bildungssystem (insbes. für die Schulen) benötigt, welches zum Ziel hatte, das Mittelmaß zu bilden und dafür zu sorgen, dass gleich Gebildete gleiche Leistungen erbringen können.

Eine Neuorientierung im 21. Jahrhundert wird mit den vier K’s beschrieben. Die bestimmenden Parameter von Bildungsprozessen sind demnach nun: Kommunikation, Kollaboration, kritisches Denken und Kreativität. Natürlich sind die drei alten Kulturtechniken weiterhin Basiskompetenzen jeder basalen Lernbemühung, jedoch existiert das Idealbild der Allgemeinbildung nicht mehr in der alten Form. Die Wissensbestände wachsen rasant und das gedruckte Buch ist als Wissensspeicher von den schnelleren, speicherintensiveren, vernetzen und aktuelleren digitalen Archiven abgelöst worden. Zudem verschwimmen zuweilen die Grenzen der virtuellen und realen Welt, es gibt Mensch-Maschinen-Interaktionen, 3D und augmented reality und damit Prozesse, deren Strukturen man in Quellcodes nachlesen muss. Für eine Orientierung in dieser Zeit scheinen also vier K’s von besonderer Relevanz:

  1. Kommunikation (Austausch von Gedanken, Fragestellungen, Ideen und Lösungsansätzen)
  2. Kollaboration (Zusammenarbeit, um ein Ziel gemeinsam zu erreichen. Einsatz von Talenten, Wissen und Intellekt)
  3. Kritisches Denken (Probleme aus neuen Blickwinken betrachten. Lernen wird disziplin- und übergreifend verbunden)
  4. Kreativität (neue Lösungswege zulassen. Innovation und Erfindungen sind wesentliche Strukturmerkmale)

Wenn im überkommenen System die Leistung darin bestand, verschriftlichte Wahrheiten korrekt wiederzugeben, so besteht heute und insbesondere zukünftig die Leistung von Lernsubjekten darin, sinnhafte Kontexte zu bilden. Unabhängig, ob man diese neuen Bildungssettings als Lernen in Hypertexten, Konnektivismus oder Postkonstruktivismus beschreibt, die Lernsubjekte müssen in der Lage sein, selbstorganisiert und selbstbewusst zu lernen und ihren Kompetenzzuwachs zu steuern.

Den Bildungsinstitutionen fällt hierbei die Rolle zu, systematisch an der Stärkung dieser individuellen Fähigkeiten zu arbeiten. Die sollen durch differenzierten Unterricht und Kompetenzorientierung gefördert werden. Doch welche Rolle spielen hierbei die Medien?

Im Folgenden werden vier Modelle vorgestellt, die für eine zeitgemäße Medienbildung handlungsleitend sein können. Das SAMR-Modell beschreibt dabei, wie tiefgängig der gewählte Medieneinsatz mit den angestrebten Bildungszielen verbunden wird und eignet sich zur strukturellen Analyse von Unterrichtskonzepten. Blooms digitale Taxonomie weist dagegen feinschrittig die Kompetenzniveaus aus, auf denen sich jeder einzelne Lernende bewegt, fokussiert also den individuellen Kompetenzzuwachs. Das TPACK-Modell hilft bei der grundsätzlichen Begründung von medienpädagogischen Bildungskonzepten, denn es legt dar, weshalb sich diese Disziplin immer mit inhaltlichen, pädagogischen und technischen Aspekten auseinanderzusetzen hat. Wie hier im Einzelnen die Schwerpunkte gesetzt werden müssen, ist abhängig von den jeweiligen Kontexten. Und schließlich wird durch eine Verknüpfung der Maslowschen Bedürfnishierarchie mit medienpädagogischen Inhalten deutlich, welche Grundbedürfnisse bei der Planung von Lernszenarien zu beachten sind.

[1] Zeier, Rafael (2014): Laptops statt iPads für die Schüler in Los Angeles. In: Tagesanzeiger 01,07.2014. Abrufbar unter: http://www.tagesanzeiger.ch/digital/mobil/Laptops-statt-iPads-fuer-die-Schueler-in-Los-Angeles/story/14348050 [Stand: 01.07.2014]

[2] Kolk, Melinda (2011): The 21st century classroom. Abrufbar unter: http://web.tech4learning.com/blog-0/bid/45149/The-21st-century-classroom-where-the-3-R-s-meet-the-4-C-s [Stand: 05.07.2014]